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Malediven - Eriyadu 04.12. - 26./27.12.2004

Im Sommer 2004 buchten wir Eriyadu. Als das unsere Urlaubsbekannten von Fihalhohi Rosi und Dieter erfuhren, beschlossen die beiden mit uns gemeinsam nach Eriyadu zu fliegen. Da freut man sich noch mehr auf den Urlaub. Wir trafen uns am
04.12.2004 in Düsseldorf auf dem Flughafen und hatten uns eine Menge zu erzählten, schließlich haben wir uns 3 Jahre nicht gesehen. Nach 10 Stunden Flug landeten wir in Male und ein Speedboot brachte uns nach Eriyadu. Nach der Bungalowverteilung merkten wir schnell, dass wir das große Glück hatten und einen von den 2 begehrten Einzelbungalow (Nr. 109) bekamen. Das lag wohl auch daran, dass wir von einem Mitglied von www.malediven.net für den Cashier einen MP3-Player mitgenommen hatten. Eriyadu ist ein Traum. Die Insel ist wunderschön, das Essen sehr lecker, das Hausriff sehr nah und es gab wieder viel beim schnorcheln zu sehen. Die meiste Zeit verbrachten wir mit Rosi und Dieter, die 2 Bungalows weiter wohnten. Man glaubt gar nicht, wie schnell 3 Wochen Urlaub vergehen. Heilig Abend saßen wir gemütlich in der Bar und genossen lecker Bierchen und Cocktail. Der Weihnachtsmann kam per Boot und verteilte Geschenke.

 

Der 26.12.2004 war unser Abreisetag. Wir wurden überpünktlich zum Flughafen
gebracht. Daniel wollte dann noch draußen vor der Abfertigungshalle eine Zigarette rauchen, aber da wir anderen 3 Nichtraucher waren, wollten wir erst einchecken und er sollte dann im Flughafengebäude in den Raucherglaskasten gehen. Das war eine weise Entscheidung. Also checkten wir ein und begaben uns in den Duty-Free-Bereich in die 1. Etage. Das war unser Glück, denn genau zu diesem Zeitpunkt kam der Tsunami. Unten hätten wir wohl nasse Füße bekommen...Aber zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nichts von einem Tsunami, das Wasser hatte den Flughafen und die Hauptstadt Male überrollt und wir saßen im Duty Free Bereich total ahnungslos. Erst eine Stunde später bekamen wir die Info, dass der Flughafen wegen einer Flutwelle geschlossen wurde.... Und was macht der normale Touri? Hört Flutwelle und muss erstmal zum Fenster stürzen und gucken. Na, die Welle/n waren vorbei und die Start- und Landebahn stand unter Wasser und es lag ein Haufen Unrat rum. Ein Flieger von Edelweiß konnte wohl noch landen, dann kam das Wasser und die Verbindung zum Tower war unterbrochen. Unsere LTU-Maschine befand sich gerade im Landeanflug, der Pilot von Edelweiß gab dann dem Pilot von LTU Bescheid, dass hier das landen nicht mehr möglich ist. Also ist unser Flieger nach Sri Lanka abgedreht. Nach ein
paar Stunden Zwangsaufenthalt in Colombo flogen dann die nicht mal angekommen Urlauber nach Deutschland zurück. Irgendwann lief auf dem Fernseher BBC oder CNN mit den Schreckensmeldungen, die Zahl der Toten hat sich halbstündlich erhöht..... Da ist uns zum ersten Mal erst bewusst geworden, dass hier wirklich was nicht in Ordnung ist. Der Flughafen war mittlerweile schon ein paar Stunden gesperrt und wir wussten nicht, ob oder wann wir hier wegkommen. Also versuchte ich nach Hause anzurufen. Das Telefonnetz war total überlastet. Erst kaufte ich eine Telefonkarte im Shop und dann haben wir uns an eine ziemlich lange Warteschlange vor den paar Telefonen angestellt. Als wir endlich an der Reihe waren, habe ich gefühlte 50 x probiert zu Hause anzurufen. Als ich dann endlich meine Mutter erreicht habe, hat sich mich nicht mal erkannt... Zu Hause wurde das Schlimmste befürchtet. Irgendwann hat sie nur noch in die Leitung geschrien:"Ihr lebt, ihr lebt."

Abends konnten die ersten Flieger wieder starten. Aber wie es hieß auf eigene Verantwortung. Durch das Wasser war etwas ausgefallen, was die wohl zum sicheren starten nutzen. Wir standen alle am Fenster um zuzusehen. Als der erste Flieger abhob, haben die Massen geklatscht. Es sind dann noch 2 oder 3 Maschinen gestartet und Gott sei Dank, der überfüllte Flughafen hatte sich ein wenig gelichtet.... Endlich bekamen wir auch einen Stuhl zum sitzen. Die ganze Zeit hatten wir uns es auf dem Fußboden bequem gemacht. Ein paar Reiseleiter duften dann in den zollfreien Bereich. Sie versuchten wenigstens für Familien mit Kindern und für ältere Leute Zimmer zu organisieren. Der Rest sollte sich schon mal auf eine Nacht auf dem Flughafen einstellen. Teppiche wurden ausgerollt, dass man nicht auf den kalten Fliesen liegen muss. Daniel unterhielt sich vorher schon mal mit den Reiseleitern und wollte wissen, wie es denen geht und ob sie überhaupt ein Bett für die Nacht haben. Das war wohl wieder unser Glück. Gegen 21 Uhr sind sie nochmal durch den Flughafen gegangen und haben zu uns gesagt, dass sie noch ein Doppelzimmer haben, sie schauen, ob noch Familien oder ältere Herrschaften da sind, ansonsten geben sie uns ein Zeichen und wir sollten dann still und ruhig mitkommen. Wir dachten uns, im Doppelbett kann man auch zu viert schlafen Lieber zu viert in Bett als auf dem kalten und harten Fußboden vom Flughafen. Ja wir hatten das Glück, wir haben denen gesagt, dass wir eine Familie sind und wir 4 durften mit. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits 12 Stunden auf dem Flughafen verbracht. Draußen erfuhren wir, dass wir auf einem Safariboot unterkommen. (Alle Boote, die in der Nähe waren, sind Richtung Flughafen unterwegs und nahmen gestrandeteTouristen auf.) Jedenfalls draußen war der Vollmond in seiner vollen Pracht zu sehen. Ich hab zu meinen 3 Leuten gesagt, dass die sich den beschissenen Vollmond anschauen sollten, weil es das war, was sie den ganzen Urlaub wollten.... (Die hatten mich den ganzen Urlaub genervt, dass sie keinen Vollmond erleben und ich Schuld bin, da ich ja den Urlaubstermin vorgegeben hatte. Gerade dann ist Ebbe und Flut am stärksten und man kann nachts schön am Strand was erkennen.) Angekommen auf dem Boot, hatten die sogar noch ein Zimmer mehr frei. Also hatte jeder von uns sein eigenes Bett. Aber viel geschlafen habe ich nicht. 1. Werde ich schnell seekrank, aber als ich lag, ging es dann so einigermaßen. 2. So ein kleines Bötchen schaukelt so schon mit den Wellen. Also lag ich im Bett, 3 Wellen waren gleichmäßig, die 4. höher. Da macht man sich so Gedanken über Seebeben und Nachbeben und stellt sich die Frage: Wie sicher ist man auf dem Boot? Nächsten Tag sind wir dann wieder zum Flughafen und da hat man erst bei Tageslicht gesehen, was alles im Wasser schwimmt. Das fand ich echt schlimm. Da ist ein Wasserbungalow an uns vorbeigetrieben....Holz, Liegen, Klamotten, Dreck einfach alles.... Jedenfalls sind wir mit 24 Stunden Verspätung zurück geflogen. Wir waren der 1. Flieger, der aus dem Krisengebietin Deutschland gelandet ist. Das Rote Kreuz stand direkt am Ausgang vom Flieger und wollte wissen, ob jemand Decken oder warme Jacken oder überhaupt Klamotten braucht. Wir haben dann zu denen gesagt, dass wir auf das Angebot mit der warmen Jacke nochmal zurückkommen, falls unsere Koffer nicht mehr existieren und es doch ein bisschen kalt ist von Düsseldorf nach Magdeburg im T-Shirt. Aber wir hatten wieder Glück, unsere Koffer waren da und sogar trocken. Wir wurden von den normalen Fluggästen abgeschirmt, es waren Seelsorger vor Ort und die Polizei sagte, dass wir auch an einem Hinterausgang raus können, wenn wir wollen. Wir wussten gar nicht, was die von uns wollten. Noch nicht! Wir sind also ganz normal am Zoll vorbei und danach

geht die Schiebetür auf und man glaubt es nicht, sämtliche Fernsehsender standen

da und wollten nun die Story ihres Lebens. Die haben sogar Geld für Exklusiv-Bilder
geboten. Da waren wir baff. 98% aus dem Flieger waren froh endlich in Deutschland zu sein und wollten eigentlich nichts mehr hören und sehen. Die restlichen 2% gaben dann Interviews, und dann solche Spinner, die auf die Tränendrüse drücken, wie

schlecht es uns ja erging...... Das haben wir am nächsten Tag im Fernsehen gesehen,
das waren auch die selben Leute, die sich aufn Flughafen beschwert hatten, dass es

nach 10 Stunden keine große Essenauswahl mehr gab. Hallo, wo soll es denn herkommen? Solche Leute liebe ich. Erst 48 Stunden später ist mir das Ausmaß

dieser Katastrophe erst richtig bewusst geworden. Wir sind zu Hause abends ins Bett gefallen und haben geschlafen wie ein Stein. Meine Mutter hatte alle Nachrichten für uns von den Malediven usw. aufgenommen und das schauten wir uns den nächsten Tag an. Ich saß vor dem Fernseher und hab nur geheult und geheult. Mich durfte auch die nächsten Tage keiner wegen dem Tsunami ansprechen, da bin ich gleich in Tränen ausgebrochen.

Sehr erfreut waren wir über die Anteilnahme im Dorf. Viele wußten, dass wir "dort unten" waren und man erkundigte sich bei meinen Eltern nach uns.